Prävention: HIV-Test für alle? Ja oder nein?
Kontroverse 1
„Die Landeskommission AIDS NRW empfiehlt eine Initiative zur Verbesserung der Kenntnisse über den eigenen HIV-Status. Ziel ist die Integration des HIV-Tests in Beratungsroutinen, die Beachtung von Indikatoren-Erkrankungen und Testanlässe durch Ärzt*innen, eine Entdramatisierung und die Erzeugung einer erhöhten Testbereitschaft, besonders in den relevanten Zielgruppen.“
Vor diesem Hintergrund wäre es also nur konsequent, den HIV-Test in Routine-Checks zu integrieren. Die Aufnahme des HIV-Tests in den "Check-Up 35", wie die Gesundheitsministerkonferenz im Juni 2025 das Bundesministerium für Gesundheit um entsprechende Prüfung gebeten hat, wäre ein erster Schritt in die richtige Richtung. Der HIV-Test sollte jedoch auch bei entsprechenden klinischen Auffälligkeiten oder Laborauffälligkeiten als Standardangebot in der Praxis angeboten werden. Etwa wie beispielsweise die Durchführung einer Hepatitis-Serologie bei auffälligen Leberwerten oder die Untersuchung des HbA1c bei auffälligen Blutzuckerwerten. Ziel ist die Normalisierung eines HIV-Testangebots für jeden sexuell aktiven Menschen in Deutschland.
Setzen wir auf Früherkennung, weniger Spätdiagnosen und somit auch bessere Therapiemöglichkeiten und weniger Übertragungsrisiko unter erfolgreicher Therapie? Um dies zu erreichen, muss eine Normalisierung des HIV-Tests erfolgen und klare Indikationen für Ärzt*innen entwickelt werden, um einen HIV-Test offensiv und selbstverständlich anbieten zu können.
Oder hätten solche "Routinetests" ohne begleitende Prävention und Beratung lediglich einen begrenzten Effekt auf das Infektionsgeschehen? Ganz unabhängig von dem Zusatzaufwand für Aufklärung, Nachsorge und Dokumentation sowie Überdiagnostik und Überlastung medizinischer Versorgungsbereiche und der Gefahr einer unklar erlebten Freiwilligkeit?
Niemand befürwortet einen Sonderstatus des HIV-Tests - aber was für viele Untersuchungen selbstverständlich ist, muss auch hier gelten: Es wird aktiv aufgeklärt und ein Einverständnis zur Untersuchung eingeholt. Es geht um nicht mehr und nicht weniger. Eine einfache Frage kann ja wohl nicht zu viel verlangt sein. Wer sich nicht traut, diese Frage zu stellen, wie sieht im Anschluss die positive Ergebnismitteilung wohl aus? Es gilt die Selbstbestimmung der Patient*innen zu respektieren und ihnen eine Entscheidung zu ermöglichen.
Referent*innen
Silke Klumb | Deutsche Aidshilfe
Dr. Stefan Scholten | Praxis Hohenstaufenring | Köln
Talkrunde im Anschluss mit
Dr. Nils Vogel | Hausärztinnen- und Hausärzteverband Nordrhein e.V. (angefragt)
Dr. Cornelia Bachon | Praxis Dr. Bachon | Düsseldorf (angefragt)
Dr. Caroline Schulte | Gesundheitsamt Köln (angefragt)
