Leben mit HIV: Long-Acting versus Strong-Acting
Kontroverse 2
Long-Acting HIV-Therapien umfassen Injektionen alle ein bis zwei Monate, während "Strong-Acting" Strategien hochpotente tägliche orale Medikamente mit starker antiviraler Wirkung sind, wie moderne Einzeleinnahme-Tabletten.
Mit den Strong-Acting Therapiestrategien erreichen wir eine wissenschaftlich fundierte und starke Wirksamkeit der zur Verfügung stehenden HIV-Medikamente, die auf eine effektive tägliche Virussuppression abzielt. Die hohe Wirksamkeit sowie die etablierten Behandlungsprotokolle sprechen eindeutig für diese Strategie. Auch wenn die täglich erforderliche Einnahme vielleicht ein individuelles Stigmatisierungspotenzial aufweist, so ist dies aus medizinischer Sicht - ebenso wie das Risiko für ausgelassene Dosen - zu vernachlässigen. Die täglichen hochpotenten oralen Therapien sind flexibel, kostengünstiger und erlauben rasche Anpassungen bei Resistenzen oder Nebenwirkungen ohne Depot-Effekte.
Für den Therapieerfolg ist jedoch der Lebensstil von Patient*innen durchaus ebenso relevant wie Stigmatisierungsbedenken und individuelle medizinische Bedürfnisse (z. B. Malabsorption). Die Zukunft der modernen HIV-Therapie liegt somit bei länger wirksamen Optionen (auch Implantaten). Die langwirksamen Formen erreichen anhaltende Wirkstoffspiegel, verhindern effektiv Übertragungen, gelten als Meilenstein in Therapie und PrEP und sorgen für eine bessere Therapieadhärenz bei Patienten mit unregelmäßigem Alltag, Schichtarbeit oder Stigma-bedingter Geheimhaltung, da seltene Injektionen den Alltag entlasten und die Lebensqualität steigern. Sie reduziert das Risiko, Einnahmen zu vergessen, und erhöht langfristig die Virus-Suppression.
Referent*innen
Referent*in Dr. Guido Schäfer | ICH Hamburg (angefragt)
Referent*in Dr. Hannah Linke Uniklinik Münster (angefragt)
Ulf Kristal | Deutsche Aidshilfe (angefragt)
