Hepatitis C: Sofort behandeln oder warten wir erst einmal ab, bis sie chronisch wird?
Kontroverse 3
Eine akute Hepatitis C heilt bei einem Teil der Betroffenen spontan aus, bei der Mehrheit geht sie jedoch in eine chronische Hepatitis C über, die langfristig schwere Leberschäden verursachen kann. Ob sofort behandelt oder zunächst zugewartet werden soll, hängt von individuellen Faktoren ab. Auch wenn es bei etwa 20 bis 50 Prozent der akut HCV-Infizierten innerhalb der ersten sechs Monate zu einer spontanen Viruselimination ohne Therapie kommt, so entwickelt sich jedoch in 50 bis 80 Prozent der Fälle eine chronische Hepatitis C mit dem Risiko von Zirrhose und Leberkrebs. Neue direkt antiviral wirksame Substanzen ermöglichen heute Heilungsraten von über 95 Prozent bei meist nur acht bis zwölf Wochen Therapie mit relativ guter Verträglichkeit. Für die akute HCV-Infektion gibt es Daten, dass kürzere Therapieschemata sehr effektiv sein können.
Soll man auf die hohen Heilungsraten mit modernen DAA-Regimen setzen, die gut verträglich sind, eine Chronifizierung mit langfristigem Risiko für Fibrose und Zirrhose ausschließen und eine rasche Senkung der Viruslast zur Folge haben?
Oder reicht das Abwarten, da ein Teil der akuten Infektionen ohne Behandlung spontan ausheilen würde? Das Risiko einer "Übertherapie" würde somit entfallen. Medikamentenkosten, potenzielle Nebenwirkungen und Interaktionen (v.a. bei Begleitmedikation, Substitution, HIV-Therapie etc.) würden deutlich gesenkt.
Referent*innen
Prof. Dr. Heiner Wedemeyer | Medizinische Hochschule Hannover
Prof. Dr. Jörg Petersen | IFI Hamburg
