Chemsex - Slamsex: Kontrollierter Konsum - erfolgreiche Strategie oder lediglich Utopie?
Kontroverse 5
Chemsex bezeichnet den gezielten Konsum von Drogen wie Crystal Meth, GHB/GBL, Mephedron oder Ketamin vor oder während sexueller Aktivitäten, vor allem in der schwulen Szene, um Lust, Ausdauer und Intimität zu steigern. Slamming ist Szene-Slang und meint das Injizieren von Drogen beim Sex – häufig in MSM- und queeren Communities. Das Ziel: ein intensiverer Rausch, mehr Lust, längere Sessions. Besonders verbreitet ist Slamming bei Substanzen wie Crystal Meth, 3-MMC, Speed oder Koks. Aber auch Potenzmittel werden manchmal geslammt. Slamming ist immer Teil von Chemsex – also Sex unter Einfluss von Drogen.
Akzeptierende Präventionsstrategien beim Chemsex mit Fokus auf Slamming gehen davon aus, dass ein kontrollierter Substanzkonsum langfristig machbar ist, indem sie Harm Reduction priorisieren statt Abstinenz. Diese Ansätze betonen Safer-Use-Tipps, um Risiken wie Infektionen oder Überdosierungen zu minimieren. Sie finden Anklang in der queeren Community, wo Stigmatisierung vermieden wird. Diese Strategien reduzieren akute Gefahren effektiv, indem sie Hygiene (z. B. eigene Spritzen), Dosierungsregeln und Testungen fördern, was Infektionsraten senken kann. Sie bauen Vertrauen auf, da Nutzer offen beraten werden, ohne Scham, und ermutigen zu regelmäßigen Checks auf HIV oder Hepatitis. Langfristig fördern sie Selbstwirksamkeit durch Workshops zu Einvernehmen und Alternativen.
Dem gegenüber bleibt ein kontrollierter Konsum umstritten, da Chemsex, insbesondere Slamming, hohe Abhängigkeitsrisiken birgt und keine randomisierten Studien die Nachhaltigkeit belegen. Allgemeine Public-Health-Forschung zu Primärprävention unterstreicht zwar partizipative Ansätze, aber spezifisch für Slamming dominiert anekdotische Evidenz. Trotz kontrolliertem Konsum bestehen beim Slamming erhebliche Risiken, da eine vollständige Kontrolle illusorisch bleibt und Abhängigkeitsmechanismen sowie massive psychische Schäden die Folgen des Konsums sind. Hinzu kommen physische Schäden, beispielsweise an den Venen durch wiederholte Injektionen, die zu Thrombosen, Abszessen oder venösem Kollaps führen, unabhängig von Hygienevorkehrungen. Zudem bleibt die Überdosierungsgefahr hoch, da schnelle Wirkung und Toleranzentwicklung unvorhersehbare Effekte wie Herzrhythmusstörungen oder Schlaganfälle auslösen können. Infektionsrisiken von HIV und Hepatitis steigen durch geteilte Konsumutensilien oder riskanten Sex ohne Schutz.
Was ist nun der richtige Weg? Bleibt der kontrollierte Konsum lediglich eine Illusion?
Referent*innen
Anne Iking | salus klinik Hürth (angefragt)
Christopher Clay | sidekicks Berlin (angefragt)
