HIV-Impfstoffforschung: Hoffnung oder ewige Sackgasse?
Kontroverse 6
Die Forschung zu einer HIV-Impfung ist nach über 40 Jahren intensiver Bemühungen geprägt von Fortschritten wie mRNA-Technologien, stößt aber auf erhebliche Herausforderungen durch die Virusvielfalt und wiederholte Studienfehlschläge.
mRNA-basierte Impfstoffe zeigen in frühen Studien zwar bessere Ergebnisse bei der Produktion neutralisierender Antikörper und Studien deuten auf Fortschritte hin, etwa durch gezieltes Training des Immunsystems gegen das schwierige Envelope-Protein des Virus. Breit neutralisierende Antikörper (bnAbs) werden als passive Immunprophylaxe getestet und könnten eine impfstoffähnliche Wirkung nach Infektion erzielen. Die Flexibilität von mRNA erlaubt schnelle Anpassungen an Mutationen, was den Weg zu breiter Schutzimpfung ebnet.
Dennoch: HIV mutiert extrem schnell und ist durch einen Glycan-Schild vor dem Immunsystem geschützt, was breite, wirksame Antikörper erfordert. Bisherige Kandidaten scheitern oft an dieser Variabilität. Expert*innen schätzen, dass es noch zehn bis dreißig Jahre bis zur Entwicklung eines nutzbaren Impfstoffs dauern wird. Förderkürzungen, etwa durch US-Politik unter Präsident Trump, bremsen den Fortschritt. So bleibt die HIV-Prävention auf PrEP-Medikamente, Kondome und Therapien angewiesen.
Ist es vor diesem Hintergrund aus ethischer, wirtschaftlicher und epidemiologischer Sicht wirklich sinnvoll, weiter nach einem wirksamen Impfstoff zu forschen oder sollte man besser in bestehende Präventionsprogramme investieren und diese weiter ausbauen und eine Impfstoffforschung nicht priorisieren?
Referenten
Prof. Dr. Hendrik Streeck | Institut für Virologie des Universitätsklinikums Bonn (angefragt)
Dr. Sebastian Noe | MVZ München am Goetheplatz (angefragt)
