
Menschlich, wirksam und unverzichtbar!
Harm Reduction bedeutet, Risiken zu verringern, ohne Menschen zu verurteilen.
Harm Reduction (Schadensminimierung) ist ein zentraler Bestandteil moderner Gesundheits- und Drogenpolitik. Der Grundgedanke ist einfach: Nicht jeder Mensch kann oder möchte sofort abstinent leben – aber jeder Mensch hat ein Recht auf Gesundheit, Würde und Schutz. Harm Reduction bedeutet, Risiken zu verringern, ohne Menschen zu verurteilen. Es ist ein Ansatz, der auf Respekt, Selbstbestimmung und wissenschaftlicher Evidenz basiert – und seit Jahrzehnten ein Kernbestandteil der Arbeit von Aidshilfen.
Harm Reduction umfasst Maßnahmen, die gesundheitliche Risiken von Drogenkonsum reduzieren, Überdosierungen, Infektionen und soziale Schäden verhindern, Menschen niedrigschwellig unterstützen und ihnen helfen, sicherer und selbstbestimmter zu leben. Dazu zählen u. a. Material für Safer-Use & Safer-Sex, zielgruppengerechte Beratung, Drogen- und Gesundheitsaufklärung, Substitutionsbehandlung, psychosoziale Unterstützung Angebote wie Naloxon-Vergabe oder Drug-Checking, sowie Peer-Projekte und Community-Arbeit
Diese Maßnahmen retten nachweislich Leben, verbessern Gesundheit und verringern Stigmatisierung. Dieser Ansatz hat HIV- und Hepatitis-Neuinfektionen massiv reduziert und vielen Menschen neue Lebenswege eröffnet. Es vermindert gesellschaftliche Kosten durch weniger Notarzteinsätze, weniger langfristige Gesundheitsschäden, weniger soziale Folgeschäden.
Harm Reduction muss auch in Haft konsequent umgesetzt werden. Inhaftierte Menschen haben ein besonders hohes Risiko für gesundheitliche Schäden grade im Bezug auf HIV & Hepatitis C. Haft bedeutet oft riskanter Konsum ohne sauberes Material, fehlende Beratung, hohe Infektionsgefahr, und nach der Entlassung ein erhöhtes Risiko für Überdosierungen. Harm Reduction endet jedoch nicht an Gefängnismauern. Gesundheitsschutz muss überall gelten – auch im Vollzug.
Forderungen der Aidshilfe
Für einen wirksamen Gesundheitsschutz im Justizvollzug braucht es flächendeckende Harm-Reduction-Programme in allen Einrichtungen. Dazu gehört der niedrigschwellige Zugang zu Safer-Use- und Safer-Sex-Materialien ebenso wie eine Substitutionstherapie ohne bürokratische Hürden, die auch bei Verlegungen oder Neuaufnahmen nahtlos fortgeführt wird. Zudem sollten Naloxon-Vergaben mit begleitenden Schulungen sowohl vor als auch rund um die Entlassung etabliert werden. Ergänzend sind umfassendere Gesundheitsaufklärung sowie der Ausbau von Peer-Programmen notwendig. Ein zentraler Bestandteil all dieser Maßnahmen ist die konsequente Entstigmatisierung von Infektionskrankheiten innerhalb des Vollzugs.
Niemand darf durch Inhaftierung ein höheres gesundheitliches Risiko tragen. Harm Reduction in Haft schützt nicht nur Inhaftierte – sondern auch deren Familien, Partner*innen und die Gesellschaft nach der Entlassung, sowie die Mitarbeitenden in der Justiz.


