Trauer, Solidarität und Entschlossenheit nach dem Anschlag auf den Berliner CSD
Nach dem brutalen Anschlag auf den Christopher Street Day (CSD) in Berlin herrschen bundesweit Trauer, Entsetzen und Fassungslosigkeit. Eine Frau wurde getötet, 29 weitere Menschen wurden verletzt, als ein Angreifer am Samstagabend zunächst mit einem Transporter in eine Menschenmenge fuhr und anschließend weitere Menschen mit einer Hieb- oder Stichwaffe angriff. Die Bundesanwaltschaft hat die Ermittlungen übernommen.
In vielen Städten Nordrhein-Westfalens kamen bereits am Sonntag Menschen zu spontanen Gedenk- und Trauerveranstaltungen zusammen, weitere Mahnwachen finden am Montag statt – unter anderem in Köln, Bochum, Wuppertal und Duisburg. Menschen aus der queeren Community berichten von Schock, Unsicherheit und Sprachlosigkeit, aber ebenso von großer Solidarität und gegenseitigem Mitgefühl.
Bundeskanzler Friedrich Merz rief beim Gedenkgottesdienst in Berlin dazu auf, sich nicht einschüchtern zu lassen. Der Anschlag ziele darauf ab, die Gesellschaft zu spalten und ihre Offenheit zu zerstören. Dem gelte es gemeinsam entgegenzutreten. Für die Aidshilfe NRW steht zugleich fest: Der Anschlag war nicht nur ein Angriff auf Menschen, sondern ein gezielter Angriff auf die Queere Community, auf queeres Leben, auf Sichtbarkeit und auf die Werte einer offenen und demokratischen Gesellschaft.
Arne Kayser, Landesvorsitzender der Aidshilfe NRW, bekräftigt deshalb seine Worte aus der Rede zum CSD-Empfang vor drei Wochen:
„Es gibt Kräfte, die uns wieder zu Opfern degradieren wollen. Doch das sind wir nicht und in diese Rolle lassen wir uns nicht mehr drängen. Wir sind viele! Wir sind organisiert. Und wir haben die Vision einer offenen, vielfältigen und demokratischen Gesellschaft, in der alle – gleich welcher Hautfarbe, Sexualität oder Geschlecht, welchen Alters oder welcher Herkunft – gleichwertig ihren Platz haben. Und wir werden so lange laut und notfalls auch ungemütlich sein, bis sich diese Gleichwertigkeit auch im allerletzten Hinterkopf verankert hat.“
Auch die Organisator*innen der kommenden CSD-Veranstaltungen in Nordrhein-Westfalen machen deutlich, dass sie sich von Hass und Gewalt nicht einschüchtern lassen. In Bonn, Ahaus, Krefeld, Moers und Mönchengladbach werden die Veranstaltungen nach aktuellem Stand stattfinden. Gemeinsam mit den Sicherheitsbehörden werden bestehende Schutzkonzepte überprüft und bei Bedarf angepasst. Geplant sind zudem Schweige- und Gedenkminuten für die Opfer des Anschlags.
Die öffentliche Debatte dreht sich inzwischen um Konsequenzen aus der Tat. Diskutiert werden Fragen der Sicherheit ebenso wie der Prävention und der Bekämpfung von Extremismus. Gleichzeitig mahnen viele Stimmen, den Anschlag nicht zu verallgemeinern, sondern ihn als das zu benennen, was er ist: ein Angriff auf queere Menschen und ihre Sichtbarkeit.
Gerade jetzt braucht es mehr als Worte der Solidarität. Es braucht eine Politik, die queere Menschen konsequent schützt, ihre Rechte stärkt und ihre Lebensrealitäten sichtbar macht. Ebenso braucht es eine Zivilgesellschaft, die Hass und Menschenfeindlichkeit entschieden entgegentritt.
Die Aidshilfe NRW steht an der Seite der Verletzten, ihrer Angehörigen und der gesamten queeren Community. Unsere Antwort auf Angst und Gewalt bleibt Solidarität, Zusammenhalt und der entschlossene Einsatz für eine vielfältige, demokratische und diskriminierungsfreie Gesellschaft.
