Welt-Hepatitis-Tag am 28. Juli
Hepatitis ist nicht gleich Hepatitis
Politik muss Prävention und Versorgung endlich konsequent stärken
Köln, 24. Juli 2026: Zum Welt-Hepatitis-Tag am 28. Juli fordert die Aidshilfe NRW deutlich mehr Engagement im Kampf gegen Virushepatitis. Hepatitis A, B, C, D und E unterscheiden sich zwar hinsichtlich ihrer Übertragungswege, Krankheitsverläufe und Behandlungsmöglichkeiten. Gemeinsam ist ihnen jedoch, dass sie ohne frühzeitige Diagnose und verlässliche Versorgung schwere Folgeschäden bis hin zu Leberzirrhose und Leberkrebs verursachen können. Viele Infektionen bleiben lange unentdeckt.
Gerade deshalb reicht es nicht aus, auf die erheblichen medizinischen Fortschritte der vergangenen Jahre zu verweisen. Gegen Hepatitis A und B stehen wirksame Impfungen zur Verfügung, Hepatitis C ist heute in den meisten Fällen heilbar und auch andere Formen der Virushepatitis lassen sich wirksam behandeln. Dennoch erreichen diese Möglichkeiten viele Menschen nach wie vor nicht. Testangebote sind vielerorts nicht ausreichend niedrigschwellig, Präventionsangebote sind lückenhaft, und insbesondere besonders vulnerable Gruppen werden im Versorgungssystem weiterhin zu häufig übersehen.
Aus Sicht der Aidshilfe NRW braucht es deshalb einen entschlossenen politischen Kurswechsel. Menschen, die Drogen gebrauchen, Menschen in Haft, Menschen in prekären Lebenslagen sowie Personen mit Sprach- und Zugangsbarrieren benötigen verlässliche, diskriminierungssensible und aufsuchende Angebote. Dazu gehören anonyme Tests, schnelle Zugänge zur Behandlung, Safer-Use-Maßnahmen sowie ein konsequenter Ausbau der Impfangebote.
„Wer die Eliminierung von Virushepatitis ernst meint, muss Prävention, Testung und Behandlung genau dort stärken, wo die Versorgung bislang Lücken aufweist“, sagt Mascha Zapf, Landeskoordinatorin Drogen & Strafvollzug der Aidshilfe NRW. „Medizinische Möglichkeiten allein genügen nicht, wenn der Zugang für viele Betroffene faktisch versperrt bleibt.“
Die Aidshilfe NRW fordert Politik und Kostenträger auf:
- niedrigschwellige, anonyme und freiwillige Testangebote bundesweit auszubauen,
- Impfungen gegen Hepatitis A und B aktiv zu fördern und besser zugänglich zu machen,
- Safer Use-Angebote, den Zugang zu sterilen Utensilien und aufsuchende Arbeit flächendeckend zu stärken,
- Menschen in Haft, in prekären Lebenslagen und mit hohem Risiko gezielt zu erreichen,
- diskriminierungsfreie und kultursensible Zugänge zur gesundheitlichen Versorgung zu sichern,
- positive Testergebnisse mit schnellen und verbindlichen Behandlungswegen zu verknüpfen.
Hepatitis ist vermeidbar, behandelbar und in vielen Fällen heilbar. Dass dennoch Menschen an den Folgen einer Virushepatitis sterben, ist kein medizinisches Schicksal, sondern Ausdruck unzureichender Prävention und verspäteter Versorgung. „Wer die WHO-Ziele zur Eliminierung der Virushepatitis erreichen will, muss jetzt handeln!“, so Mascha Zapf.
