
Ich hatte immer Freude daran, etwas mitzugestalten
Frank Przibylla, Mitglied des Aufsichtsrats der aidshilfe dortmund, erhält den Ehrenamtspreis merk|würdig
Frank Przibylla erhält am 14. April 2026 den Ehrenamtspreis merk|würdig aus. Wir haben uns mit ihm verabredet und ihm einige Fragen zu seinem Ehrenamt gestellt.
Als Frank Przibylla im Jahr 2005 auf dem CSD-Empfang für sein ehrenamtliches Engagement als einer der Ersten die Kompassnadel des damals noch Schwulen Netzwerks NRW, dem heutigen Queeren Netzwerk, erhielt, gehörte er schon zu den „alten Hasen“ des Verbands. Fast 50 Jahre ist es her, dass der zwar in Gelsenkirchen geborene, aber in Dortmund aufgewachsene Justizfachwirt mit seinem Coming-out als schwuler Mann im Kommunikationscentrum Ruhr, kurz KCR, ankam und sich dort ununterbrochen engagiert hat. Zunächst, wie er beschreibt, ohne Ämter, übte er dort aber allein 35 Jahre das Amt des Kassierers aus.
Im KCR war er überall zu finden, wo er gebraucht wurde: in Gruppen, bei Veranstaltungen, in Diskussionen – und besonders in schwierigen Phasen, in denen es nicht so glatt lief. Im KCR nannte man ihn liebevoll „Mutti“ oder auch „Sissi“. Darüber konnte er stets schmunzeln, denn diese Titel zeugten von tiefer Wertschätzung für ihn als Person und sein Engagement.
Vor über 40 Jahren war die Telefonberatung der Rosa Hilfe im KCR ein unverzichtbarer Service für die schwule Community. Frank erinnert sich daran, wie Anfang der 1980er-Jahre immer mehr Fragen zur neu aufgetauchten Immunschwächeerkrankung gestellt wurden. Sehr bald kam die Idee auf, einen Verein zu gründen, der sich dieser Herausforderung stellen konnte. Sein damaliger Mitstreiter Rainer Petrasch von der Rosa Hilfe war dann einer der Mitgründer der aidshilfe dortmund, Frank blieb weiter im KCR aktiv, hielt aber den Kontakt zur Aidshilfe. „Engagierte Menschen miteinander zu vernetzen und gute Verbindungen zu anderen zu halten, das war schon immer mein Ding“, erklärt Frank.
Nachdem sich die aidshilfe dortmund immer schon mehr in der Drogenhilfe engagierte und 2002 einen Drogenkonsumraum eröffnete, intensivierte sie 2009 ihre Präventionsarbeit in der MSM-Szene. Sie initiierte das Stricherprojekt „neonlicht“ und in Kooperation mit dem KCR den Gesundheitsladen „pudelwohl“. Frank war es, der die Verbindung zwischen dem KCR und der aidshilfe dortmund hielt und somit zur wichtigen Brücke zwischen den beiden Organisationen wurde. Mit seinem Engagement trug er dazu bei, dass Kooperation statt Konkurrenz möglich wurde. Er hat Strukturen zusammengebracht, die heute gemeinsam stark sind. Auch beim SLADO, dem schwul-lesbischen Dachverband in Dortmund, war Frank aktiv, einige Jahre als Kassierer, und darüber hinaus als ständige, verlässliche Stimme. Frank hat sich auch auf Landesebene als verlässlicher und kompetenter Netzwerker einen Namen gemacht. So war er nicht nur viele Jahre beim Queeren Netzwerk aktiv, sondern er war auch an der Gründung der ARCUS Stiftung beteiligt.
Die „pudelwohl“-Kooperation zwischen dem KCR und der aidshilfe dortmund wurde im Laufe der Jahre immer enger. 2009 erklärte sich Frank bereit, für den Vorstand zu kandidieren und selbstverständlich wurde er auch gewählt. Als zentrale Konstante hat er die aidshilfe dortmund über eineinhalb Jahrzehnte hinweg entscheidend geprägt. Mit der Umstrukturierung des Vereins auf der Mitgliederversammlung im Oktober 2024 und der Etablierung eines hauptamtlichen Vorstands wechselte Frank in den Aufsichtsrat der Aidshilfe. Auf diese Weise bleibt er dem Verein mit seinem Weitblick und seiner ruhigen Art weiterhin erhalten.
Wie beurteilt Frank sein jahrzehntelanges Engagement für die queere Selbstorganisation in Dortmund? „Natürlich hatte ich immer Freude daran, etwas mitzugestalten. Ich habe in all meinen Ehrenämtern so viel gelernt, was meine Perspektive immer wieder verändert hat. Wenn ich allein an die schwierige Situation der Drogenkonsument*innen und Obdachlosen in Dortmund denke und daran, wie wir als Aidshilfe dazu beitragen, Verhältnisse zu gestalten und zu verändern. dann macht das zwar viel Arbeit, aber es ist toll zu beobachten, wie sich die Umstände auch verbessern. Denn Menschen, die unten am Boden sind, auf die tritt man nicht drauf, sondern den reicht man die Hand“, erläutert Frank. „Seit vier Jahren bin ich in Pension und natürlich habe ich inzwischen altersbedingt ein paar Einschränkungen. Aber mir geht es gesundheitlich gut. Daher möchte ich auch weiterhin etwas zurückgeben.“
Für dieses jahrzehntelange Engagement und diese Einstellung ehrt die Aidshilfe NRW Frank mit dem Ehrenamtspreis „merk|würdig“.