
Es ist toll, etwas zu bewirken!
Die Youthworkerin Jana Raschkowski von der Aidshilfe Köln erhält den Ehrenamtspreis merk|würdig
Der Vorstand der Aidshilfe NRW zeichnet In diesem Jahr Jana Raschkowski mit dem Ehrenamtspreis merk|würdig aus. Wir haben sie getroffen und stellen sie hier vor.
Eine der wichtigsten Aufgaben, die Aidshilfen nach wie vor wahrnehmen, ist die Aufklärungs-, Informations- und Präventionsarbeit rund um Sexualität, HIV und andere sexuell übertragbare Infektionen (STI). Neben der Prävention in der schwulen Szene und der Drogenszene engagierten sich viele Aidshilfen bereits in den späten 1980er-Jahren in der Youthwork in Schulen, Berufsschulen und anderen Einrichtungen. Natürlich geht es hier um HIV, Aids und Sexualität, doch bedeutet das deutlich mehr als „nur Aufklärung“ – es geht auch um Einstellungen, Verhalten und soziale Kompetenzen.
Heute engagieren sich 18 Aidshilfen, Looks und das anyway im Netzwerk sexualpädagogischer Fachkräfte in Nordrhein-Westfalen „Youthwork NRW“. Neben den Hauptamtlichen, die dieser Aufgabe nachkommen, gehen – wenn auch nicht in jeder Region – darüber hinaus auch Ehrenamtliche in Schulen und Jugendeinrichtungen.
Eine von ihnen ist Jana Raschkowski, die sich seit einigen Jahren für die Aidshilfe Köln engagiert. Aufgewachsen ist Jana im südlichsten Zipfel von Nordrhein-Westfalen in Bad Münstereifel und ging dort auch zur Schule. Nach dem Abitur ging sie für ein Jahr als Au-Pair nach Paris, bevor sie 2018 an der Uniklinik Köln eine Ausbildung in Krankenpflege begann. Parallel dazu studierte sie tageweise und konnte ein Jahr nach ihrem Pflegeexamen auch den Bachelor-Abschluss in Klinischer Pflege machen. Seither war sie auf verschiedenen Stationen der Uniklinik Köln tätig, seit jetzt zwei Jahren wirkt sie als Intensivpflegerin in der Klinik für Innere Medizin.
Im Rahmen ihrer Ausbildung entwickelte Jana als Projektarbeit ein Konzept für eine Unterrichtseinheit, in der sie einer Schulklasse das Thema HIV nahebrachte. Im Zuge dessen hatte sie viel über die Infektion recherchiert und bereits einen ersten Bezug hierfür bekommen. Außerdem stieß sie während ihrer Ausbildung bei Kolleg*innen bisweilen auf Unwissen und Vorurteile. „Ich konnte es erst gar nicht glauben, dass Menschen mit HIV gerade in der Pflege diskriminiert werden.“
Dies alles motivierte Jana 2022 an einem Informationsabend für Interessierte in der Aidshilfe Köln teilzunehmen und sich zu einer Basisschulung anzumelden. Im Jahr darauf stieg sie in die Vor-Ort-Arbeit ein. Zunächst begleitete sie ihre hauptamtliche Kollegin Ines Nadrowski in Schulklassen. Hier konnte sie erste Erfahrungen im Kontakt mit Jugendlichen und ihren Reaktionen auf das Thema HIV und STI machen. Diese variieren in einem breiten Spektrum. „Manchmal erscheinen die Schüler*innen sehr aufgeklärt, sie sprechen beispielsweise offen und wertschätzend über Minderheitenrennen und wir rennen offene Türen bei ihnen ein. In anderen Fällen stoßen wir auf unfassbar krasse homophobe und transphobe Äußerungen, auf die wir natürlich reagieren müssen.“
Diese Entwicklung deckt sich mit den Erfahrungen von Sexualpädagog*innen und Youthworker*innen in ganz NRW. Deshalb wurde der Umgang mit vielfalts- und demokratiefeindlichen Äußerungen im vergangenen Jahr zum Schwerpunktthema des Netzwerks gemacht. Es ist wichtig – wenn nicht immer einfach – Jugendlichen in Workshops wohlwollend zu begegnen, um Impulse setzen zu können, ihre Vorurteile zu hinterfragen. Dazu haben Youthworker*innen aus ganz NRW gemeinsam mit der Projektstelle Sexualpädagogik praktische Handlungsideen entwickelt, auf die auch die ehrenamtlichen Youthworker*innen zurückgreifen können. „Meistens schaffen wir es mit dem, was wir den Jugendlichen vermitteln, sie zum Nachdenken zu bringen“, erläutert Jana.
Inzwischen ist es ihr möglich, eigenständig Workshops an Alten- und Krankenpflegeschulen zu geben. Hier profitiert sie von ihren Erfahrungen als Krankenschwester einerseits und als Youthworkerin in Schulkassen andererseits. Die Arbeit mit den verschiedenen Gruppen macht Jana großen Spaß. „Es ist toll zu sehen, dass ich mit meinen Workshops etwas bewirken kann. Natürlich gelingt das nicht immer, aber meistens bringt man damit etwas in Gang.“ Im Hinblick auf die Besuche in den Schulklassen genießt Jana den Kontakt mit deutlich jüngeren Leuten. Auch wenn sie keinerlei pädagogischen Hintergrund hat, gelingt es ihr, einen Draht zu den Teenagern zu bekommen. Das sei schon eine große Motivation. „Ich finde es wichtig, ab und zu aus der eigenen Komfortzone herauszutreten, denn in meiner Bubble erlebe ich natürlich gewöhnlich anderes.“
Rückendeckung gibt ihr dabei das Youthwork-Team der Aidshilfe Köln. Da sich hier eher junge Leute engagieren, die noch in der Ausbildung oder im Studium sind, handelt es sich um ein sehr dynamisches Team. „Inzwischen zähle ich schon zu denen, die sich längerfristig im Youthwork engagieren. Unsere Leiterin Ines macht total viel, aber natürlich schafft sie es nicht, alle Nachfragen zu berücksichtigen. Es wäre toll, wenn sich neue Leute diesem coolen Team anschließen könnten, dann könnten wir noch mehr schaffen“, beendet Jana das Gespräch.