Overdose Awareness Day 2026
Überdosierungen sind vermeidbar – jetzt Leben retten!
Aidshilfe NRW fordert zum International Overdose Awareness Day 2026 flächendeckende Schadensminderung und einen konsequenten Ausbau lebensrettender Angebote
Zum International Overdose Awareness Day am 31. August erinnert die Aidshilfe NRW an Menschen, die durch eine Überdosierung oder die Folgen des Drogenkonsums ihr Leben verloren haben. Gleichzeitig richtet sie einen dringenden Appell an Politik und Gesellschaft: Überdosierungen sind vermeidbar – wenn wir die vorhandenen Möglichkeiten endlich konsequent und flächendeckend nutzen.
„Jeder Mensch, der an einer Überdosierung stirbt, ist einer zu viel. Wir wissen, was Leben rettet. Deshalb darf es nicht länger vom Wohnort oder vom Zufall abhängen, ob Menschen Zugang zu Naloxon, Drogenkonsumräumen, Drug-Checking oder einer guten Substitutionsbehandlung haben“, sagt Mascha Zapf, Landeskoordinatorin im Bereich Drogen & Strafvollzug der Aidshilfe NRW.
709 Drogentote in NRW 2025 – Rückgang ist kein Grund zur Entwarnung
Mischkonsum, Crack sowie hochpotente synthetische Opioide und andere neue psychoaktive Substanzen stellen das Hilfesystem vor neue Herausforderungen. Unberechenbare Wirkstoffgehalte und fehlendes Wissen über die tatsächlich konsumierten Substanzen können das Überdosisrisiko erheblich erhöhen.
Naloxon muss überall erreichbar sein
Ein zentraler Baustein der Überdosierungsprävention ist Naloxon. Das Medikament kann bei einer Opioidüberdosierung die lebensgefährliche Atemdepression vorübergehend aufheben und damit wertvolle Zeit gewinnen. Die Aidshilfe NRW fordert deshalb einen kostenlosen, niedrigschwelligen und flächendeckenden Zugang zu Naloxon – für Menschen, die Opioide konsumieren, ebenso wie für Menschen in ihrem unmittelbaren Umfeld.
Auch die im Februar 2026 veröffentlichte neue S3-Leitlinie zu opioidbezogenen Störungen spricht sich ausdrücklich für die Bereitstellung von Take-Home-Naloxon zur Verringerung drogenbedingter Todesfälle aus. „Naloxon darf kein Spezialangebot für diejenigen sein, die zufällig wissen, wo sie es bekommen. Es gehört in die Hände aller Menschen, die im Ernstfall helfen können – niedrigschwellig, kostenlos und ohne bürokratische Hürden“, fordert Mascha Zapf.
Schadensminderung statt weiterer Ausgrenzung
Die Aidshilfe NRW fordert darüber hinaus den flächendeckenden Ausbau von Drogenkonsumräumen, die Einführung von Drug-Checking als reguläres Angebot, leistungsfähige kommunale Frühwarnsysteme sowie den konsequenten Ausbau der Substitutionsbehandlung. Diese Maßnahmen sind keine Einladung zum Drogenkonsum. Sie sind Instrumente der Gesundheits- und Überlebenshilfe. Drogenkonsumräume ermöglichen medizinische Hilfe im Notfall und schaffen Zugänge zu Beratung und Behandlung. Drug-Checking kann vor besonders gefährlichen Beimengungen und Wirkstoffkonzentrationen warnen. Substitution stabilisiert Menschen und reduziert das Risiko tödlicher Überdosierungen.
„Wer Menschenleben schützen will, muss dort ansetzen, wo Menschen tatsächlich konsumieren. Repression verhindert keine Überdosierungen. Wir brauchen eine Drogenpolitik, die Gesundheit, Menschenrechte und wissenschaftliche Erkenntnisse in den Mittelpunkt stellt“, betont Zapf.
Die Aidshilfe NRW fordert Bund, Land und Kommunen auf, die notwendigen finanziellen und strukturellen Voraussetzungen zu schaffen, damit Schadensminderung überall dort verfügbar ist, wo Menschen sie benötigen. Fünf Maßnahmen können Leben retten:
- Kommunale Frühwarnsysteme flächendeckend etablieren,
- Drug-Checking als reguläres Angebot ermöglichen,
- Drogenkonsumräume bedarfsgerecht ausbauen,
- Naloxon niedrigschwellig, kostenlos und flächendeckend verfügbar machen,
- den Zugang zur Substitutionsbehandlung sichern und ausbauen.
Überdosierungen sind vermeidbar. Jetzt ist die Zeit zu handeln!
Der International Overdose Awareness Day steht 2026 unter dem Motto „25 Years On. Still Needed“. Seit 25 Jahren macht der Aktionstag auf die Folgen von Überdosierungen aufmerksam, erinnert an Verstorbene und fordert wirksame Maßnahmen zur Vermeidung weiterer Todesfälle.
Weiter Informationen finden sich unter overdoseday.com.
