Menschen in Haft
Menschen in Haft weisen im Vergleich zur Allgemeinbevölkerung deutlich häufiger komplexe gesundheitliche und psychosoziale Belastungen auf. Insbesondere chronische Infektionskrankheiten wie HIV und Hepatitis, problematischer Substanzkonsum sowie psychische Erkrankungen sind überdurchschnittlich verbreitet. Aus Sicht der Aidshilfe NRW besteht daher ein besonderer Bedarf an einer niedrigschwelligen, evidenzbasierten Gesundheitsversorgung, die Prävention, Beratung, Testangebote, Substitutionsbehandlung sowie den Zugang zu Safer-Use- und Safer-Sex-Materialien umfasst.
Grundlage ist das Äquivalenzprinzip, wonach Menschen in Haft Anspruch auf eine Gesundheitsversorgung haben, die der außerhalb des Strafvollzugs gleichwertig ist. Die Aidshilfe NRW kritisiert, dass dieses Prinzip in der Praxis vielerorts noch nicht vollständig umgesetzt wird, und fordert den flächendeckenden Ausbau von Harm-Reduction-Angeboten sowie eine nachhaltige Finanzierung unabhängiger Präventions- und Beratungsarbeit im Justizvollzug.