ART: 30 Jahre HIV-Therapie
1996 hatte die antiretrovirale Kombinationstherapie ihren Durchbruch – auf der Welt-Aids-Konferenz in Vancouver im Juli und dann bald auch in den Krankenhäusern und Praxen der reichen Länder der Welt. In unserer Interview-Reihe erzählen Menschen mit und ohne HIV vom Leben vor und nach diesem Wendepunkt der Aidsgeschichte. Dazu versammeln wir Hintergrundbeiträge rund ums Thema HIV-Therapie.
Ende 1997 bekamen in den USA schon 94 % der Menschen mit HIV eine lebensrettende „hochaktive antiretrovirale Therapie“ (HAART) mit einem der 1995 auf den Markt gekommenen, damals neuen Protease-Inhibitoren. Die allermeisten der schätzungsweise 22 bis 23 Millionen Menschen weltweit, die damals mit HIV lebten, wussten da aber noch nicht einmal, dass sie sich infiziert hatten, weil schlicht Tests fehlten.
In den 30 Jahren seither hat sich die HIV-Infektion zu einer gut behandelbaren, wenngleich nach wie vor tabuisierten und stigmatisierten chronischen Erkrankung entwickelt. Wenn die antiretroviralen Medikamente die Virusvermehrung unterdrücken, sind keine Übertragungen beim Sex mehr möglich. Auch Menschen ohne HIV nehmen heute HIV-Medikamente und schützen sich mit der PrEP vor einer HIV-Infektion. Der Zugang zu den Medikamenten ist allerdings heute wie 1996 nicht für alle Menschen gesichert – und er wird durch Folgen der Erderhitzung, von Konflikten und Kriegen und durch politische Entscheidungen wie zum Beispiel massive Kürzungen der Gelder für globale Programme und für Entwicklungshilfe sogar immer stärker eingeschränkt.
Wir nehmen das 30. Jubiläum der historischen Welt-Aids-Konferenz von Vancouver zum Anlass, um Menschen mit und ohne HIV, die diesen Wendepunkt miterlebt haben, aber auch später Geborene ihre Geschichten mit der HIV-Therapie erzählen zu lassen und um zu zeigen: Das Menschenrecht auf Gesundheit muss immer wieder neu geschützt und eingefordert werden.
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