Internationaler Tag der Sexarbeit
Am 2. Juni wird mit dem International Sex Workers’ Day die Geburtsstunde der europäischen Hurenbewegung gefeiert. Am 2. Juni 1975 besetzten etwa 100 Sexarbeiter*innen in Lyon eine Kirche, um erstmalig auf die Kriminalisierung ihrer Arbeit öffentlich aufmerksam zu machen. Auch in Deutschland wird der Internationale Hurentag von Organisationen und Initiativen genutzt, um Öffentlichkeit für die politischen Forderungen von Sexarbeiter*innen zu schaffen.
In Deutschland ist 2017 das Prostituiertenschutzgesetz in Kraft getreten; seit Juni 2025 liegt dem Bundestag eine wissenschaftliche Evaluation vor. Ende 2024 waren rund 32.000 Menschen als „Prostituierte“ angemeldet, insgesamt wird die Zahl der Sexarbeitenden auf bis zu 90.000 geschätzt. Auch Männer* üben Sexarbeit aus, auch Frauen* kaufen Sex.
Auch 50 Jahre nach der Kirchenbesetzung in Lyon erleben Sexarbeiter*innen auch in Deutschland Diskriminierung, Respektlosigkeit und Ungleichbehandlung. „Ein großes Thema ist weiterhin die Stigmatisierung. Viele Menschen haben Vorurteile gegenüber Sexarbeit. Das führt dazu, dass Sexarbeiter*innen oft ausgegrenzt werden – zum Beispiel von der Familie, von Ärzt*innen oder Vermieter*innen“, erklärt die Aktivistin Mia Rose, die einige Jahre selbst als Sexarbeiterin tätig war und sich weiterhin im Bereich der Selbsthilfe und Professionalisierung von Sexarbeitenden engagiert.
Sie macht noch ein weiteres Problem für ihre Kolleg*innen aus: die weiterhin bestehende rechtliche Unsicherheit. „Obwohl Sexarbeit in Deutschland erlaubt ist, gibt es viele Regeln, die ein legales und sicheres Arbeiten einschränken und teils nicht bundesweit einheitlich gelten. Oft bedeuten diese Regeln mehr Kontrolle und Druck – aber keine echte Hilfe“, sagt Mia Rose. „Zudem haben viele Sexarbeiter*innen keinen barrierefreien Zugang zu Gesundheitsversorgung oder Beratung. Manche trauen sich nicht, Hilfe zu suchen, weil sie Angst vor Diskriminierung oder Behörden haben.“
In den letzten Jahren wurden Forderungen nach einem Sexkaufverbot beziehungsweise dem Nordischen Modell auch in Deutschland immer lauter. Im sogenannten „Kampf gegen die Prostitution“ hat auch das EU-Parlament 2023 besseren Schutz für Frauen und Mädchen gefordert und sich für ein Sexkaufverbot nach dem Nordischen Modell ausgesprochen.
Beim Nordischen Modell ist eine wichtige Säule die Kriminalisierung der Kunden, die gegen Geld sexuelle Dienstleistungen in Anspruch nehmen, während die Sexarbeitenden selbst straffrei bleiben. Dieser Ansatz greift nach Ansicht der Aidshilfe NRW aber zu kurz. Das Sexkaufverbot würde keine Verbesserung bringen, sondern kann den Sexarbeiterinnen sogar eher schaden.
Anlässlich der Fachtagung HIV-KONTROVERS am 14. März 2026 haben wir zur Diskussion gestellt, was zuem Schutz von der Sexarbeitenden beitragen kann, wenn ein Großteil in der Illegalität arbeitet, ein Sexkaufverbot oder nicht vielmehr die Verbesserung der bestehenden Gesetze. Eine Zusammenfassung der Kontroverse "Sexkaufverbot: Ein klares Signal gegen Menschenhandel oder der schnellste Weg in die Illegalität" findest du unter nrw.aidshilfe.de.
