Queere Vielfalt stärken: CSD-Empfang von Queerem Netzwerk NRW und Aidshilfe NRW
Am vergangenen Samstag fand im Rahmen des ColognePride im Kölner Maritim-Hotel der 27. gemeinsame CSD-Empfang des Queeren Netzwerks NRW und der Aidshilfe NRW statt. Rund 1.000 Gäste aus Politik, Zivilgesellschaft, Medien sowie den queeren Communitys folgten der Einladung und setzten gemeinsam ein sichtbares Zeichen für Demokratie, Menschenrechten und gesellschaftlicher Vielfalt.
In ihrer gemeinsamen Begrüßung machten Laura Becker, Vorstandssprecherin des Queeren Netzwerks NRW, und Arne Kayser, Landesvorsitzender der Aidshilfe NRW, deutlich, dass die Christopher-Street-Day-Feiern heute wichtiger denn je sind. Angesichts steigender Zahlen queerfeindlicher Straftaten, zunehmender Einschüchterungsversuche gegen CSD-Veranstaltungen und wachsender rechtsextremer Bedrohungen brauche es eine klare politische Haltung und eine starke Zivilgesellschaft. Die Rechte, die Sichtbarkeit und die gesellschaftliche Teilhabe queerer Menschen seien über Jahrzehnte hinweg erkämpft worden und dürften keinesfalls als selbstverständlich gelten.
Becker und Kayser warnten zugleich vor den Folgen geplanter Kürzungen bei Demokratie- und Präventionsprojekten. Demokratie müsse aktiv geschützt und gefördert werden. Dazu gehörten verlässliche Strukturen für die queere Selbstorganisation ebenso wie die Unterstützung der vielen ehrenamtlich Engagierten, die in Städten und Gemeinden CSDs organisieren und sich dabei zunehmend Anfeindungen ausgesetzt sehen. Die CSDs seien immer schon weit mehr als bunte Straßenfeste. Sie stünden für gesellschaftliche Teilhabe, Solidarität und den entschlossenen Einsatz für Freiheit und Gleichberechtigung.
Der Empfang unterstrich zugleich die breite politische Unterstützung für diese Anliegen. Neben zahlreichen Abgeordneten aus dem Bundestag, darunter die Bundesministerin a.D. Claudia Roth und der ehemalige Queerbeauftragte der Bundesregierung Sven Lehmann, und dem Landtag sowie Ratsmitglieder etlicher Kommunen gehörten unter anderem die Vizepräsidentin des nordrhein-westfälischen Landtags, Berivan Aymaz, sowie die nordrhein-westfälische Ministerin für Kinder, Jugend, Familie, Gleichstellung, Flucht und Integration des Landes Nordrhein-Westfalen Verena Schäffer zu den Gästen. Die Stadt Köln war gleich mit drei Bürgermeisterinnen vertreten: Derya Karadağ, Brigitta von Bülow und Maria Helmis-Arend. Auch die ehemalige Oberbürgermeisterin Henriette Reker war gekommen.
Im Mittelpunkt des diesjährigen Empfangs stand die Verleihung der Kompassnadel 2026 an die CSD-Bewegung in Deutschland. Mit der Auszeichnung würdigt das Queere Netzwerk NRW das jahrzehntelange Engagement der Christopher-Street-Day-Bewegung für die gesellschaftliche Sichtbarkeit, die rechtliche Gleichstellung und den Schutz queerer Menschen. Stellvertretend für die bundesweite Bewegung nahmen die CSD-Vernetzer*innen aus Nordrhein-Westfalen Sabrina Reznizek, Toni Nezi und Pacco Menzel die Auszeichnung entgegen.
Die Preisverleihung unterstreicht die besondere Bedeutung der CSD-Bewegung in einer Zeit wachsender gesellschaftlicher Polarisierung. Seit mehr als fünf Jahrzehnten stehen Christopher Street Days für den Einsatz gegen Diskriminierung und Ausgrenzung sowie für das Recht, unabhängig von sexueller Orientierung oder geschlechtlicher Identität frei und selbstbestimmt leben zu können. Gleichzeitig haben sich die CSDs zu wichtigen Plattformen entwickelt, auf denen gesellschaftliche Debatten geführt und politische Forderungen öffentlich sichtbar gemacht werden. Gerade in einer Zeit, in der queere Veranstaltungen wieder verstärkt unter Polizeischutz stattfinden müssen und rechtsextreme Gruppen versuchen, Pride-Veranstaltungen einzuschüchtern, erhält dieses Engagement eine neue Aktualität.
Die Laudatio hielt Entertainer, Moderator und Regisseur Thomas Hermanns, der die Geschichte der CSD-Bewegung mit persönlichen Erinnerungen und politischen Beobachtungen verband. In seinem ebenso unterhaltsamen wie informativen Beitrag spannte er einen Bogen von seiner ersten Teilnahme an einer CSD-Demonstration in Nürnberg in den 1980er Jahren über den New Yorker Pride bis hin zum Budapest Pride 2025, der für viele Menschen zu einem eindrucksvollen Symbol demokratischen Aufbruchs und internationaler Solidarität geworden sei. Hermanns machte deutlich, dass Christopher Street Days immer Ausdruck gesellschaftlicher Entwicklungen gewesen seien: politische Demonstrationen, die auf bestehende Ungleichheiten aufmerksam machen und für gleiche Rechte eintreten und Orte des Feierns, der Inszenierung zunächst schwuler, dann auch lesbischer und inzwischen vielfältig queerer Identität und der Begegnung.
Dabei erinnerte er daran, dass die Geschichte der CSDs eng mit den Kämpfen früherer Generationen verbunden ist. Viele heute selbstverständliche Rechte seien gegen erhebliche gesellschaftliche Widerstände durchgesetzt worden. Umso wichtiger sei es, die Geschichte der Bewegung lebendig zu halten und sich den aktuellen Herausforderungen entschlossen entgegenzustellen. Seine Laudatio verband historische Rückblicke mit Humor, persönlichen Erfahrungen und einem klaren politischen Plädoyer für Offenheit, Respekt und demokratischen Zusammenhalt.
Der 27. gemeinsame CSD-Empfang machte eindrucksvoll deutlich, dass die Christopher-Street-Day-Bewegung auch mehr als fünfzig Jahre nach den Ereignissen der New Yorker Stonewall-Proteste nichts von ihrer gesellschaftlichen Relevanz verloren hat. Darauf machten auch Sabrina Reznizek, Toni Nezi und Pacco Menzel in ihren Dankesworten aufmerksam. Angesichts wachsender Angriffe auf queere Menschen und demokratische Werte wurde der Abend zu einem klaren Signal für Solidarität, Menschenrechte und Vielfalt. Zugleich würdigte er das Engagement der unzähligen Haupt- und Ehrenamtlichen, die sich Jahr für Jahr dafür einsetzen, dass Christopher Street Days Orte der Sichtbarkeit, der Begegnung und des demokratischen Protests bleiben.
Für den musikalischen Rahmen sorgte Knallblech – Brassband meets DJ, deren energiegeladene Mischung aus Blasmusik, elektronischen Beats und mitreißender Performance für ausgelassene Stimmung sorgte. Da tanzte auch die Prominenz. Durch das abwechslungsreiche Programm führte Moderator Oliver Schubert mit Humor, Esprit und politischer Schärfe.
Der nächste, dann 28. gemeinsame CSD-Empfang von Queerem Netzwerk NRW und Aidshilfe NRW findet am Samstag, 3. Juli 2027 statt.
