Cologne Fetish Pride
Zugehörigkeit und Gemeinschaftsgefühl in den Communities
Vom 21. bis 25. Mai 2026 findet der Cologne Fetish Pride statt. 25 eigene Events verspricht der Veranstalter Rheinfetisch, zuzüglich der Angebote von Partner-Organisationen. Neben den üblichen Sex-Events gibt es einen Flohmarkt, eine Bootsfahrt und einen Brunch am Pfingstmontag. Klingt ein bisschen nach Pfarrfest. Wie passt das alles zu den strammen Kerlen in Leder, den Doms und Subs, den Puppys und den Liebhabern von Elektrosex? Eigentlich sehr gut. Denn die Fetisch-Szene spiegelt nicht nur die Vielfalt sexueller Präferenzen, sondern eben auch den ganz normalen Alltag. Fisten und Flohmarkt, Bondage und Brunch schließen einander nicht aus – sie gehören zusammen.
„Fetische können ein Vehikel sein, sich selbst zu einer anderen Person zu machen", schreibt Rheinfetisch auf seiner Website. Es geht um das Spiel mit Rollen, um das zeitweise Ausblenden des Alltags – und gleichzeitig um mehr als Sex, es geht um Gemeinschaft. Dieter Kiesewetter von der Aidshilfe Essen, der durch seine Präventionsarbeit enge Einblicke in die Fetisch-Community hat, bringt es auf den Punkt: „Wenn ich zum Beispiel an die Puppy-Community denke, sind Zugehörigkeit und Gemeinschaftsgefühl viel wichtiger als der sexuelle Aspekt." Puppy & Friends NRW treffen sich inzwischen regelmäßig im Café der Aidshilfe Essen – kein Sexevent, sondern ein Stammtisch.
Fetisch-Vereine sind traditionell gut vernetzt, lokal verwurzelt und haben ein klares Wertesystem. Der respektvolle Umgang miteinander basiert auf geteilten Erfahrungen von Diskriminierung und Ausgrenzung. Es gibt ein Bewusstsein für das, was man über die sexuellen Präferenzen hinaus gemeinsam hat.
Ledervereine haben beispielsweise immer schon ein Gespür für soziale Strukturen gehabt. Sie gehörten zu den ersten Orten, an denen sich nach der Entkriminalisierung homosexueller Handlungen eine schwule Subkultur ausbilden konnte. Sie waren untereinander eng verbunden. Und sie waren handlungsbereit, als in den ersten Jahren der Aids-Krise die Strukturen zusammenzubrechen drohten. Kein Zufall, dass Prävention im Bereich Aids und der Abbau von Diskriminierung bis heute in den Satzungszielen diverser Clubs stehen. „Der Kontakt zu den Vereinen ist in den letzten Jahren enger geworden und es gibt einige gute Kooperationen", berichtet Kiesewetter. „Wir finden es immer gut, wenn die Akteure auf uns zukommen, weil dann Synergien zwischen den Communities und unseren Präventionsangeboten entstehen."
Ein Fetisch-Verein ist die Blaupause für das, was Community sein kann, wenn es um Zusammenhalt geht. Und die Herzenslust-Kampagne greift das auf: „Wir betrachten Fetische nicht von oben herab", sagt Kiesewetter, „sondern haben vielleicht sogar Ehrenamtler, die in der Szene unterwegs sind. Genau das macht den Peer-to-Peer-Ansatz aus."
Es ist bemerkenswert, dass der Spagat gelingt: dass ein Workshop zu Pleasure and Pain und eine Führung durch den WDR, eine Fistparty und eine Diskussionsveranstaltung zur Inklusion in der Szene einander nicht ausschließen. Dass Bondage und Brunch, Fetisch und Flohmarkt zusammenpassen.
Davon können wir alle lernen.
Text: Johannes Arens
Fetisch ist grenzenlos
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