Doxy-PEP und Doxy-PrEP
Informationen auch für Menschen mit HIV
Doxy-PEP bedeutet, nach dem Sex einmalig 200 mg Doxycyclin einzunehmen. Das Antibiotikum kann das Risiko für Syphilis und Chlamydien deutlich senken. Gegen Gonorrhö (Tripper) wirkt es wesentlich schlechter – und je nach Region möglicherweise kaum, weil viele Gonokokken bereits gegen Tetracycline (wie Doxycyclin) resistent sind. Bei schwulen und bisexuellen Männern mit HIV wurde Doxy-PEP in einer großen randomisierten Studie direkt untersucht und war ähnlich wirksam wie bei HIV-negativen Männern unter HIV-PrEP.
Doxy-PrEP bezeichnet dagegen meist die tägliche Einnahme von 100 mg Doxycyclin. Auch dafür gibt es inzwischen erste positive Studien, darunter eine kleine randomisierte Studie bei 52 schwulen und bisexuellen Männern mit HIV. Die Datenbasis ist aber wesentlich kleiner als bei Doxy-PEP. Wegen der dauerhaften Antibiotikaeinnahme und möglicher Resistenzentwicklung wird Doxy-PrEP derzeit nicht als Standard empfohlen.
Doxycyclin wirkt nur gegen bestimmte Bakterien. Es schützt nicht vor Herpes, HPV, Hepatitis, Mpox oder HIV (die alle durch Viren verursacht werden).
Üblich sind 200 mg Doxycyclin als Einzeldosis, möglichst innerhalb von 24 Stunden nach dem Sex, spätestens jedoch innerhalb von 72 Stunden. Mehr als 200 mg innerhalb von 24 Stunden sollten nicht eingenommen werden. Dieses Schema wurde in den großen Studien verwendet und wird unter anderem von CDC und ECDC zugrunde gelegt.
Doxycyclin sollte mit einem großen Glas Wasser eingenommen werden. Danach sollte man sich mindestens 30 Minuten nicht hinlegen, um eine Reizung der Speiseröhre zu vermeiden. Die Einnahme zusammen mit etwas Essen kann Magenbeschwerden verringern.
Antazida (Medikamente gegen Sodbrennen, saures Aufstoßen) sowie Präparate mit Calcium, Magnesium, Eisen oder Zink können die Aufnahme von Doxycyclin beeinträchtigen und sollten nicht gleichzeitig eingenommen werden. Auch bei einigen HIV-Medikamenten, insbesondere Integrasehemmern, muss bei solchen Mineralstoffen auf ausreichende Einnahmeabstände geachtet werden.
Doxycyclin kann außerdem die Haut lichtempfindlicher machen. Bei stärkerer Sonneneinstrahlung ist guter Sonnenschutz sinnvoll.
Wer Doxy-PEP nutzt, sollte weiterhin regelmäßig auf STI getestet werden – meist alle drei Monate beziehungsweise nach individueller Vereinbarung. Dazu gehören je nach Sexualpraktiken Tests aus Rachen, Enddarm und Urin beziehungsweise Harnröhre sowie eine Syphilis-Serologie. Doxy-PEP ersetzt weder Tests noch Impfungen oder andere Maßnahmen der sexuellen Gesundheit.
In Schwangerschaft oder Stillzeit sollte Doxycyclin nicht eigenständig zur Prophylaxe eingenommen werden. Hier ist eine individuelle ärztliche Beratung erforderlich.
Die überzeugendsten Daten gibt es bei schwulen und bisexuellen Männern sowie trans Frauen mit erhöhtem STI-Risiko.
| Studie | Teilnehmer*innen | Ergebnis |
|---|---|---|
| DoxyPEP, USA | 501 MSM und trans Frauen, davon 174 mit HIV | Bei Menschen mit HIV trat in 11,8 % statt 30,5 % der untersuchten Quartale eine STI auf – rund 62 % weniger. Chlamydien gingen um etwa 74 % und Gonorrhö um etwa 57 % zurück. Bei Syphilis zeigte sich ebenfalls ein starker Rückgang, wegen der geringen Fallzahl war dieser in der HIV-Untergruppe statistisch aber nicht eindeutig. |
| ANRS IPERGAY, Frankreich | 232 MSM unter HIV-PrEP | Rund 47 % weniger erste bakterielle STI. Deutlicher Schutz vor Syphilis und Chlamydien, kein statistisch gesicherter Schutz vor Gonorrhö. |
| ANRS DOXYVAC, Frankreich | 502 MSM unter HIV-PrEP mit vorheriger STI | Sehr deutlicher Schutz vor Chlamydien und Syphilis; Gonorrhö etwa zur Hälfte reduziert. |
| dPEP Kenya | 449 cis Frauen unter HIV-PrEP | Kein statistisch nachweisbarer Schutz. Allerdings wurde Doxycyclin nur in rund 29 % der untersuchten Haarproben nachgewiesen – wahrscheinlich wurde es häufig nicht eingenommen. |
Eine Metaanalyse der randomisierten Studien bestätigt vor allem den Schutz vor Syphilis und Chlamydien. Für Gonorrhö ist die Wirkung wesentlich unsicherer und stark von der Resistenzlage abhängig.
Für cis Frauen lässt sich aus der bisherigen Studie deshalb nicht sicher schließen, dass Doxy-PEP grundsätzlich unwirksam ist. Es gibt bislang schlicht keinen überzeugenden Wirksamkeitsnachweis. Für Frauen mit HIV fehlen direkte Studiendaten weitgehend.
Die Datenlage hat sich in den letzten Jahren erweitert. Bei einer randomisierten kanadischen Pilotstudie erhielten 52 schwule und bisexuelle Männer mit HIV und früherer Syphilis entweder täglich 100 mg Doxycyclin oder Placebo. Nach 48 Wochen waren bakterielle STI in der Doxycyclin-Gruppe deutlich seltener. Da es sich aber nur um eine kleine Pilotstudie handelt und die Ergebnisse bislang vor allem als Kongressdaten vorliegen, reicht dies nicht für eine allgemeine Empfehlung.
Eine weitere kanadische Pilotstudie mit 52 HIV-negativen MSM und trans Frauen unter HIV-PrEP zeigte ebenfalls weniger STI unter täglich 100 mg Doxycyclin. Diese Studie wurde inzwischen peer-reviewed veröffentlicht.
Doxy-PrEP könnte künftig für einzelne Menschen eine Alternative sein – etwa wenn sehr häufig Doxy-PEP benötigt würde. Derzeit ist aber offen, ob der zusätzliche Nutzen eine tägliche Antibiotikaeinnahme und deren mögliche Folgen rechtfertigt. Die Deutsche STI-Gesellschaft spricht sich bislang gegen eine routinemäßige Doxy-PrEP aus.
Doxy-PEP schützt gegen Gonorrhö wesentlich weniger zuverlässig (bzw. gar nicht) als gegen Syphilis und Chlamydien.
Der wichtigste Grund sind Tetracyclinresistenzen. In einer europäischen Untersuchung von Gonokokken aus 22 Ländern waren 2024 insgesamt 62,3 % der untersuchten Erreger resistent; zwischen den Ländern reichten die Werte von 16,5 bis 100 %.
Das ECDC geht deshalb davon aus, dass Doxy-PEP in vielen europäischen Ländern gegen Gonorrhö nur begrenzt wirksam sein dürfte. Wer Doxy-PEP nimmt, sollte sich daher nicht auf einen Schutz vor Tripper verlassen.
Die wichtigste offene Frage bei Doxy-PEP betrifft Antibiotikaresistenzen. In Seattle nahm die Tetracyclinresistenz von Gonokokken stark zu. Besonders bei Menschen, die mehr als drei Doxy-PEP-Dosen pro Monat einnahmen, fanden sich häufiger resistente beziehungsweise hochgradig resistente Gonokokken. Die Untersuchung beweist allerdings nicht, dass Doxy-PEP allein für diese Entwicklung verantwortlich war. [9]
Auch andere Bakterien können beeinflusst werden. Bei Doxy-PEP-Nutzern wurden häufiger tetracyclinresistente Staphylococcus aureus (18 % gegenüber 8 %) und tetracyclinresistente A-Streptokokken (9 % gegenüber 4 %) nachgewiesen. Welche gesundheitlichen Folgen solche Veränderungen langfristig haben, ist bisher unklar.
Auch im Darm verändert sich das sogenannte Resistom, also die Gesamtheit der Resistenzgene: Unter Doxy-PEP nahmen Tetracyclin-Resistenzgene und ihre Aktivität zu. Die Zusammensetzung und Vielfalt des Darmmikrobioms selbst veränderten sich innerhalb von sechs Monaten dagegen nur wenig.
Die bisherigen Studien dauerten überwiegend Monate bis wenige Jahre. Was eine wiederholte Einnahme über viele Jahre für Resistenzentwicklung und Mikrobiom bedeutet, wissen wir noch nicht.
Deshalb gilt: Doxy-PEP sollte gezielt eingesetzt und regelmäßig neu bewertet werden. Unnötige Antibiotikaeinnahmen sollten vermieden werden.
Die beste direkte Evidenz bei Menschen mit HIV stammt bisher aus Untersuchungen an schwulen und bisexuellen Männern. In der großen US-DoxyPEP-Studie war die Wirksamkeit in dieser Gruppe ähnlich wie bei HIV-negativen PrEP-Nutzern. Für andere Gruppen von Menschen mit HIV liegen wesentlich weniger Daten vor.
Mit den meisten heute üblichen HIV-Medikamenten ist keine klinisch bedeutsame direkte Wechselwirkung mit Doxycyclin zu erwarten. Bei einzelnen älteren Wirkstoffen wie Efavirenz oder Nevirapin sind Wechselwirkungen jedoch nicht völlig auszuschließen. Medikamente und Nahrungsergänzungsmittel sollten deshalb im Einzelfall überprüft werden. Der Liverpool HIV Drug Interactions Checker ist dafür eine gute Quelle.
Doxy-PEP hat nichts mit der HIV-Therapie selbst zu tun und ersetzt weder die ART noch Maßnahmen zum Schutz vor HIV.
Auch unter Doxy-PEP sollten Beschwerden wie Hautausschlag, Geschwüre, Ausfluss, Schmerzen, Seh- oder neurologische Beschwerden ärztlich abgeklärt werden. Keine Prophylaxe schützt zu 100 Prozent.
Am größten ist der mögliche Nutzen bei Menschen, die ein hohes Risiko für wiederholte bakterielle STI haben – besonders bei einer Syphilis, Chlamydieninfektionoder oder Gonorrhö in der jüngeren Vergangenheit.
Die Empfehlungen unterscheiden sich international etwas. Die US-amerikanischen CDC empfehlen, Doxy-PEP mit MSM und trans Frauen zu besprechen, die innerhalb der vergangenen zwölf Monate Syphilis, Chlamydien oder Gonorrhö hatten. Die britische BASHH konzentriert sich besonders auf die Verhinderung von Syphilis.
Für Europa ist seit Januar 2026 besonders die Einschätzung des ECDC wichtig: Doxy-PEP wird nicht als breite Präventionsmaßnahme für die gesamte Bevölkerung empfohlen. Bei Menschen mit besonders hohem STI-Risiko kann sie jedoch nach individueller ärztlicher Abwägung eingesetzt werden. Wegen der europäischen Resistenzlage sollte der Schwerpunkt vor allem auf der Verhinderung von Syphilis liegen.
Die Deutsche STI-Gesellschaft hatte bereits 2023 einen individuellen Einsatz bei ausgewählten Personen für vertretbar gehalten, sich aber gegen eine breite Anwendung und gegen routinemäßige tägliche Doxy-PrEP ausgesprochen.
In Deutschland ist Doxycyclin verschreibungspflichtig und für die STI-Prophylaxe nicht zugelassen. Die Anwendung erfolgt deshalb off-label und wird in der Regel über ein Privatrezept verordnet (und muss deshalb auch selbst bezahlt werden). Sinnvoll ist eine gemeinsame Entscheidung mit einer HIV-Schwerpunktpraxis, STI-Praxis oder einem anderen erfahrenen ärztlichen Team.
Besonders zuverlässig verhindert sie bei schwulen und bisexuellen Männern sowie trans Frauen mit hohem STI-Risiko Syphilis und Chlamydien. Bei Männern mit HIV ist die Wirksamkeit direkt belegt.
Bei Gonorrhö ist der Schutz deutlich unsicherer und in Europa wegen der hohen Tetracyclinresistenz wahrscheinlich minimal.
Die wichtigsten offenen Fragen betreffen die langfristige Entwicklung von Antibiotikaresistenzen. Deshalb sollte Doxy-PEP keine automatische Dauermedikation sein, sondern eine individuell gewählte Präventionsmöglichkeit, deren Nutzen regelmäßig neu besprochen wird.
1. Luetkemeyer AF et al. Postexposure Doxycycline to Prevent Bacterial Sexually Transmitted Infections. N Engl J Med 2023;388:1296–1306.
Volltext im New England Journal of Medicine
2. Molina JM et al. Post-exposure prophylaxis with doxycycline to prevent sexually transmitted infections in men who have sex with men: ANRS IPERGAY. Lancet Infect Dis 2018;18:308–317.
PubMed-Eintrag
3. Molina JM et al. Doxycycline prophylaxis and meningococcal group B vaccine to prevent bacterial sexually transmitted infections in France (ANRS 174 DOXYVAC). Lancet Infect Dis 2024;24:1093–1104.
PubMed-Eintrag
4. Stewart J et al. Doxycycline Prophylaxis to Prevent Sexually Transmitted Infections in Women. N Engl J Med 2023;389:2331–2340.
Volltext im New England Journal of Medicine
5. Grennan T et al. A pilot, randomized controlled trial of doxycycline pre-exposure prophylaxis versus placebo for prevention of bacterial STIs in MSM living with HIV. AIDS 2024.
Originalposter der International AIDS Society
6. Grennan T et al. A Pilot, Randomized Controlled Trial of Dual Daily HIV and STI Pre-exposure Prophylaxis: The DuDHS Study. Clin Infect Dis 2026;82:1054–1062.
Artikel in Clinical Infectious Diseases
7. Sokoll PR et al. Efficacy of postexposure prophylaxis with doxycycline in reducing sexually transmitted infections: systematic review and meta-analysis. Sex Transm Infect 2025;101:59–67.
PubMed-Eintrag
8. Unemo M et al. High prevalence of tetracycline resistance in Neisseria gonorrhoeae across 22 European countries, 2024.
Volltext über PubMed Central
9. Soge OO et al. Potential Impact of Doxycycline Post-Exposure Prophylaxis on Tetracycline Resistance in Neisseria gonorrhoeae and Colonization With Tetracycline-Resistant Staphylococcus aureus and Group A Streptococcus. Clin Infect Dis 2025;80:1188–1196.
PubMed-Eintrag
10. Chu VT et al. Impact of doxycycline post-exposure prophylaxis for sexually transmitted infections on the gut microbiome and antimicrobial resistome. Nature Medicine 2025;31:207–217.
Open-Access-Artikel in Nature Medicine
11. Knodel S et al. Impact of doxycycline pre-exposure prophylaxis for sexually transmitted infections on the microbiome of men who have sex with men on HIV PrEP. Nature Communications 2025;16:6143.
Open-Access-Artikel in Nature Communications
12. Bachmann LH et al. / CDC. Clinical Guidelines on the Use of Doxycycline Postexposure Prophylaxis for Bacterial STI Prevention, United States, 2024. MMWR 2024;73(2):1–8.
CDC-Leitlinie
13. European Centre for Disease Prevention and Control (ECDC). Public health considerations on the use of doxycycline for post-exposure prophylaxis for bacterial sexually transmitted infections in the EU/EEA. Januar 2026.
ECDC-Empfehlung 2026
14. Werner RN et al. / Deutsche STI-Gesellschaft. Position statement on the prophylactic use of doxycycline to prevent STIs (Doxy-PEP, Doxy-PrEP). J Dtsch Dermatol Ges 2024;22:466–478.
PubMed-Eintrag
15. Saunders J et al. / BASHH. UK national guideline for the use of doxycycline post-exposure prophylaxis for the prevention of syphilis, 2025. Int J STD AIDS 2025;36:756–764.
PubMed-Eintrag
16. University of Liverpool. HIV Drug Interactions Checker.
Liverpool HIV Drug Interactions Checker
17. Deutsche Aidshilfe. Prävention von Geschlechtskrankheiten durch Antibiotika – Doxy-PEP und Doxy-PrEP. Fachinformation für Beratung und Praxis, 18. Juni 2024.
Deutsche Aidshilfe – Fachinformation Doxy-PEP
Stand: Oktober 2026. Dieser Text ersetzt keine individuelle ärztliche Beratung.
Text: Siegi Schwarze
STI-Tests
Geschlechtskrankheiten sind gut behandelbar, wenn sie erkannt werden. Sich testen zu lassen, kann daher sinnvoll sein. Je nach Erreger und Symptomen werden verschiedene Verfahren eingesetzt, zum Beispiel die Blickdiagnose, ein Abstrich, Stuhltest, Urintest oder Bluttest. Nicht immer machen Geschlechtskrankheiten Symptome, oder Symptome werden nicht erkannt. Daher kann auch ein Routine-Test infrage kommen.


