IDA was?
Am 17. Mai ist IDAHOBITA*!
Dabei geht es nicht um Hobbits, jene menschenähnlichen Wesen aus Mittelerde, die in den Büchern von J. R. R. Tolkien zu finden sind und deren Gedenktag der 22. September ist. Es geht auch nicht um Idaho, den 43. Bundesstaat im Nordwesten der USA, der stramm republikanisch geprägt und vor allem für seine Kartoffeln bekannt ist. Die Homepage der Bundeszentrale für Politische Bildung erklärt anschaulich, worum es sich genau handelt, nämlich den „International Day Against Homophobia, Biphobia, Interphobia & Transphobia“, an dem an die Diskriminierung von Menschen, „deren sexuelle Orientierung oder geschlechtliche Identität nicht der heterosexuellen Norm entspricht“ erinnert wird.
Der 17. Mai ist seit 2005 Anlass für Aktionen in verschiedenen Ländern, weil an diesem Tag im Jahr 1990 Homosexualität als Krankheitsbild aus dem Diagnoseschlüssel der Weltgesundheitsorganisation (WHO) gestrichen wurde.
Nachdem die Initiative zunächst IDAHO hieß, wurde sie 2009 erstmals erweitert und seit vergangenem Jahr heißt sie beispielsweise in Köln IDAHOBITA* – mit einem zusätzlich A für „Asexualität“ und einem Sternchen für weitere nicht genannte Identitäten.
Der Begriff Homophobie ist allerdings inzwischen umstritten, er gilt als „veraltet, überholt oder dem Phänomen nicht mehr angemessen“, wie man in den Ergebnissen einer Studie zu den „Einstellungen gegenüber lesbischen, schwulen und bisexuellen Menschen in Deutschland“ auf der Seite der Antidiskriminierungsstelle des Bundes nachlesen kann. Die Diskussion darüber ist seit 2012 belegt, als die Nachrichtenagentur AP in einem sogenannten Style Book den Begriff „anti-gay“ für die englischsprachige Berichterstattung vorschlug.Hier bei Herzenslust nutzen wir den Ausdruck gar nicht mehr und sprechen stattdessen beispielsweise von „schwulenfeindlich“.
Aber auch, wenn man die Angst vor Enge oder Spinnen nicht mit Ausgrenzung von und Gewalt gegen queere Menschen vergleichen kann, ist die Gegenüberstellung aufschlussreich.
Denn das Wort ist ein medizinischer Begriff und bezeichnet laut Duden die „extreme Angst vor bestimmten Objekten oder Situationen“, man spricht auch von einer Angststörung. Und beruht nicht die Feindlichkeit gegenüber Menschen, die anders sind als man selbst, auf Unkenntnis und Angst? Die heterosexuelle Norm macht somit auch ihre Verfechter*innen zu Opfern und strikt genommen müsste es auch einen Tag für homophobe Menschen geben, denn sie leiden schließlich unter einer Angststörung.
Aber das ist nur ein Gedankenspiel, denn die Folgen sind für die betroffenen Minderheiten viel schwerwiegender und lassen die Menschen ein Leben lang nicht los.
Daher lohnt es sich nach wie vor, beim IDAHOBITA* dabei zu sein. Auch wenn es schön wäre, wenn wir diesen Gedenktag nicht mehr brauchen würden und stattdessen den gleichzeitig stattfindenden Weltfernmeldetag oder den Constitution Day des Pazifikstaats Nauru feiern könnten.
Bis dahin ist noch eine Menge zu tun.
Text: Johannes Arens
Zur Geschichte des IDAHOBITA*
Der Internationale Tag gegen Homo-, Bi-, Inter-, Trans- und Asexuellenfeindlichkeit (englisch International Day Against Homophobia, Biphobia, Interphobia, Transphobia and Acephobia, kurz IDAHOBITA)wird seit 2005 jährlich am 17. Mai von homosexuellen, später auch bisexuellen, trans-, intergeschlechtlichen und asexuellen Menschen, als Aktionstag begangen, um durch Aktionen, mediale Aufmerksamkeit und Lobbying auf die Diskriminierung und Bestrafung von Menschen hinzuweisen, die in ihrer sexuellen Orientierung, ihrer Geschlechtsidentität oder durch ihre Körper von der Heteronormativität abweichen.


