Monkey Dust
Wirkt stark und macht schnell abhängig
Chemsex: Die Grunddefinition ist schon im Wort enthalten: Chems plus Sex gleich Chemsex. In diesem Fall ist die englische Abkürzung ein Euphemismus für den Konsum von Substanzen beim Sex. Auch wenn man mit dem Thema noch nie zu tun hatte und vielleicht auch nie zu tun haben möchte, ist es wichtig, ein paar grundlegende Fakten zu kennen, denn Chemsex ist kein Nischenthema mehr. Wer sich in der schwulen Community bewegt, stößt irgendwann zwangsläufig darauf. „Chemsfriendly“ ist in manchen Profilen in den geläufigen Dating-Apps zu lesen und Emojis wie ein Äffchen etwa steht für Monkey Dust (eine Szenebegriff für ein synthetisches Cathinon), die Spritze für das sogenannte Slamming (intravenöser Konsum) und ein Tropfen für GBL/GHB (Liquid Ecstasy). Weil das Phänomen relevant ist, greifen wir es in mehreren Beiträgen des Journals auf und beleuchten es aus verschiedenen Perspektiven.
Zum Konsum von Monkey Dust heißt es auf der Homepage der Deutschen Aidshilfe: „Ein sicherer Konsum ist nicht möglich." Lediglich die Risiken ließen sich verringern. Der Konsum von Monkey Dust ist dennoch ein zunehmendes Phänomen. Er zählt zu den neuen psychoaktiven Substanzen, und die Bezeichnung ist ein Sammelbegriff für verschiedene synthetische Cathinone (z. B. MDPV oder MDPHP). Unberechenbar ist vor allem, dass oft unbekannt ist, welche Stoffe tatsächlich enthalten sind.
Auch wenn nicht immer klar ist, was genau gemeint ist – die Zielgruppe ist deutlich erkennbar: Eine aktuelle Studie der Charité, der Schwulenberatung Berlin und der Bundesinitiative Sexualisierter Substanzkonsum zum Konsum synthetischer Cathinone kommt zu der Erkenntnis, dass die Mehrheit der Gebrauchenden oft männlich und homosexuell ist, aus dem städtischen Milieu stammt und einen hohen Bildungsgrad aufweist.
Monkey Dust wird zumeist als weißes oder gelbliches Pulver oder in Kristallform verkauft. Die Substanz wird vor allem geraucht, aber auch geschnupft, geschluckt („bomb“) oder rektal eingeführt („booty bumping“). Vom intravenösen Gebrauch wird u. a. aufgrund des erhöhten Risikos einer Psychose dringend abgeraten.
Es gibt bislang wenig wissenschaftliche Erkenntnisse über die genaue Wirkung von Monkey Dust. Vermutlich führt der Konsum zu einer erhöhten Konzentration von Dopamin. Typische Effekte sind etwa starke Wachheit, Euphorie, gesteigertes Selbstbewusstsein, Enthemmung, erhöhte Risikobereitschaft sowie gesteigerte sexuelle Lust.
Monkey Dust wirkt stark und macht schnell abhängig. Die Wirkung hält meistens zwei bis drei Stunden, kann jedoch rasch kippen und unangenehm oder gefährlich werden. Das hängt vom bisherigen Konsum ab und davon, ob die Substanz mit anderen Stoffen kombiniert wird. Je öfter man sie einnimmt, umso kürzer hält der Effekt an.
Nach einer Zeit sind die Vorräte der Neurotransmitter erschöpft und das Niveau sinkt. In diesem Zustand (sogenannter Come-down) können sich Symptome einstellen, die als das Gegenteil des gewünschten Effekts erfahren werden.
Häufige Nebenwirkungen sind Angst, Panik und Unruhe, Paranoia und Realitätsverlust, aggressives Verhalten, Herzrasen und Bluthochdruck, Schlaflosigkeit und Erschöpfung. Monkey Dust oder ähnliche Substanzen können auch bei „gesunden“ Menschen durch eine Überproduktion von Dopamin eine Psychose verursachen. Ein besonderes Risiko ist ein starkes Verlangen, erneut zu konsumieren, was die Gefahr einer Überdosis erhöht.
Die Wechselwirkungen mit anderen Substanzen sind vielfältig. In Kombination mit Ecstasy steigern sich Nebenwirkungen wie Blutdruck- und Herzfrequenzsteigerung, und Alkohol verstärkt die euphorisierende und aggressionssteigernde Wirkung. Auch Interaktionen mit HIV-Medikamenten sind bekannt: Es kann ggf. zu länger anhaltenden Symptomen wie Herzrasen, Überhitzung und psychotischen Zuständen durch die Booster-HIV-Medikamente kommen.
Harm Reduction
Vor dem Konsum:
- Beantworte dir selbst die folgenden Fragen:
- Ist das gerade die richtige Zeit, um MD zu konsumieren? Denn die aktuelle emotionale Lage kann die Wirkung von Substanzen beeinflussen.
- Weiß ich, was ich nehme? Kenne ich die Wirkung und mögliche Nebenwirkungen?
Während des Konsums:
- Start low, go slow! Stärke und Inhalte können sich von Charge zu Charge unterscheiden. Auch wenn du regelmäßig konsumierst – immer mindestens zwei Stunden warten, um das Risiko einer Überdosis zu minimieren. Verwende eine Waage.
- Nicht alleine konsumieren.
- Nicht mit anderen Substanzen mischen.
- Safer-Sex-Regeln beachten.
Nach dem Konsum:
- Achte auf ausreichend Schlaf und gönne deinem Körper eine Erholungsphase.
- Trinke ausreichend (aber nicht mehr als einen halben Liter pro Stunde) und verzehre leichte Kost.
- Niemals konsumieren, um den Hangover erträglicher zu machen. Dieser wird dadurch nur schlimmer und zieht sich länger hin.
- Lege Konsumpausen ein, um eine psychische Abhängigkeit zu vermeiden.
Links
sidekicks.berlin
Sidekicks ist ein Präventionsprojekt für queere Menschen. Die Mitarbeiter*innen begleiten dich als deine Sidekicks durch den Alltag und deine Abenteuer in Berlin. Sie unterstützen dich dabei, dein Sex-, Liebes- oder Partyleben so zu leben, wie es zu dir passt. Dazu liefern sie die passenden Informationen und Unterstützung rund um die Themen sexuelle Gesundheit und Substanzgebrauch.
CheMP
Selbsthilfe bei ChemSex
CheMP ist ein niedrigschwelliges Selbsthilfeprogramm für MSM (Männer, die Sex mit Männern haben), die Erfahrungen mit ChemSex haben. Gemeinsam möchten wir mit dir digitale und analoge Tools entwickeln und ausprobieren, die dich im Umgang mit ChemSex stärken – vor, während und nach dem Konsum.


