Superhelden
Warum schwule Figuren in Filmen und Serien nach wie vor wichtig sind
Lange Jahre waren schwule Männer in Spielfilmen oder Serien entweder pädophil und krank oder überkandidelte Randfiguren und unglücklich verliebt. Auf jeden Fall waren sie diejenigen, die am Ende des Streifens tot, im Gefängnis oder sonst irgendwie am Ende waren. Man denke an Filme wie „Cruising" (1980), in dem Al Pacino als heterosexueller Polizist eine Mordserie im schwulen „Milieu" aufklärt. Oder an die Figur von Matt Fielding in der Serie „Melrose Place" (1992–1997): ein schwuler Sozialarbeiter, der von allen als Kummerkastentante in Anspruch genommen wird, selbst aber eine Drogenvergangenheit hat und nie eine glückliche Beziehung vorweisen konnte.
Was für eine Erweckung, als plötzlich auch die andere Seite schwulen Lebens in Fernsehen und Kino auftauchte. Charaktere, die trotz aller Krisen Freude am Leben und Lust an der eigenen Sexualität hatten. Etwa Jamie und Ste im Film „Beautiful Thing" von Hettie MacDonald (1996), in dem es um die romantische Beziehung zweier Jungs im Londoner Arbeitermilieu ging. Oder Will Truman in der Serie „Will & Grace" (1998–2006), ein erfolgreicher und selbstbewusster New Yorker Anwalt.
Plötzlich waren sie da, die Rolemodels, auf die wir schwule Männer so lange gewartet hatten. Denn Filme und Serien dienen nicht nur der Unterhaltung. Sie sind, genau wie Bücher und im Prinzip alle Geschichten, die wir uns erzählen, eine Vorlage für die Ausgestaltung unseres eigenen Lebens.
Das alles ist lange her, und es scheint, als ob queere Figuren in den Medien inzwischen eine Selbstverständlichkeit geworden sind. Aber Repräsentation und Präsenz sind nach wie vor von Bedeutung. Wenn wir das, was im Kino oder auf dem Streaming-Portal läuft, als Spiegel unserer Gesellschaft verstehen, dann ist es wichtig, dass wir darin vorkommen.
Gerade jetzt, wo sich die politische Stimmung geändert hat, ist das entscheidend. In den USA wurden der Name des ermordeten schwulen Aktivisten Harvey Milk von einem Schiff sowie die Erwähnung von Transmenschen aus der Geschichtsschreibung rund um die Christopher Street gestrichen.
Umso wichtiger sind Bilder, die uns nicht vergessen lassen, wie die Verhältnisse einmal waren und wie sie vielleicht auch wieder werden könnten, wenn wir uns nicht wehren.
Ein schönes und rührendes Beispiel ist die letzte Staffel von „Stranger Things" (2016–2025), in der sich, kurz vor dem großen Finale, Will Byers (Noah Schnapp) vor versammelter Mannschaft outet. Das Böse in Form von Vecna habe ihm furchtbare Dinge gezeigt, berichtet er unter Tränen. Er habe gesehen, dass sich Freunde und Familie von ihm entfernen würden und dass er am Ende ganz allein sein werde. Für 1987, das Jahr, in dem die Saga abschließt, ein durchaus plausibles Szenario. Will aber kann sich der Unterstützung von Familie und Freund*innen sicher sein. Das Politische an seinem Outing ist aber der Zusammenhang mit seinen gerade erst entdeckten Superkräften. Denn die, so erklärt er, habe er erst gefunden, als er sich selbst so akzeptiert habe, wie er ist.
Es wird Zeit, dass wir unsere Superkräfte neu entdecken.
Informieren, vernetzen und bewegen.
Das Queere Netzwerk NRW ist ein solidarisches Netzwerk von Organisationen und Menschen, die sich in NRW für eine vielfältige Gesellschaft und das selbstbestimmte Leben von Geschlechtsidentität, sexueller und romantischer Orientierung einsetzen. Das Queere Netzwerk ist aus drei Verbänden hervorgegangen: dem 1991 gegründeten Schwulen Netzwerk NRW, der 1996 gegründeten LAG Lesben in NRW und dem 2016 gegründeten Netzwerk Geschlechtliche Vielfalt Trans* NRW. Schwule, lesbische und tin* Organisationen sind und bleiben wichtig und prägend für unsere Arbeit.

