Jahresempfang der Aidshilfe NRW
Beim Jahresempfang der Aidshilfe NRW am Dienstagabend im Düsseldorfer Maxhaus standen zentrale Herausforderungen im Umgang mit HIV im Mittelpunkt. Im Fokus der Veranstaltung standen Fragen nach einer früheren Diagnose von HIV in Deutschland sowie die Auswirkungen schwindender internationaler Solidarität auf das Ziel, Aids bis 2030 zu beenden.
Der Landesvorsitzende der Aidshilfe NRW, Arne Kayser, betonte in seiner Rede die Komplexität der aktuellen Herausforderungen. Einfache Lösungen griffen zu kurz, so Kayser – vielmehr brauche es differenzierte Ansätze, die medizinische, soziale und politische Faktoren zusammendenken. Aidshilfen hätten sich seit jeher dieser Vielschichtigkeit gestellt, indem sie zugehört, hingeschaut und gemeinsam mit Betroffenen nachhaltige Lösungen entwickelt hätten.
Inhaltlich machte Kayser deutlich, dass insbesondere in der Arbeit mit Frauen und drogengebrauchenden Menschen weiterhin großer Handlungsbedarf besteht. Vorstandsmitglied Birgit Körbel verwies darauf, dass rund 40 Prozent der Frauen ihre HIV-Diagnose erst im Rahmen der Schwangerschaftsvorsorge erhalten. Umso wichtiger seien zielgruppenspezifische Testangebote, bessere Aufklärung – etwa zur PrEP – sowie mehr Sichtbarkeit und Selbstbestimmung für Frauen in der Präventionsarbeit.
Auch Entwicklungen in der Drogenhilfe bereiten Sorgen. Vorstand Willehad Rensmann kritisierte zunehmende Repression, veränderte Konsummuster sowie Widerstände gegen Suchthilfeangebote. Zudem verwies er auf alarmierende Studienergebnisse zu HIV und Hepatitis C im Strafvollzug, denen bislang nicht ausreichend politisches Handeln folge.
Scharfe Kritik übte Kayser an Kürzungen in der internationalen HIV-Finanzierung. Wenn wichtige Geberländer ihre Mittel reduzierten und auch Deutschland weniger in den Globalen Fonds einzahle, drohten gravierende Folgen. Schätzungen zufolge könnten Millionen zusätzlicher Infektionen und Todesfälle die Konsequenz sein. „Das Ende von Aids wäre möglich – was fehlt, ist der politische Wille“, so Kayser.
Positiv hob er hervor, dass die Förderung der Aidshilfearbeit in Nordrhein-Westfalen nach Einschnitten im Vorjahr wieder auf das Niveau von 2024 angehoben wurde. Gleichzeitig warnte er vor geplanten Kürzungen auf kommunaler Ebene, die die Erfolge der Präventionsarbeit gefährden könnten. Die vollständige Rede von Arne Kayser findest du hier.
Ein weiterer Schwerpunkt des Abends war die Diskussion mit Expertinnen aus Medizin, Beratung und internationaler HIV-Politik. Es diskutierten Ruweyda Hassan Ali von MiSSA Remscheid, Silke Klumb von der Deutschen Aidshilfe, Clara Lehmann von der Uniklinik Köln und Natali Rudi von der Aidshilfe Oberhausen sowie, zugeschaltet aus Valencia, Christine Stegling von UNAIDS. Sie unterstrichen die Notwendigkeit, unterschiedliche Perspektiven zusammenzubringen, um den komplexen Herausforderungen wirksam zu begegnen.
Zudem wurde der Ehrenamtspreis „merk|würdig“ verliehen. Ausgezeichnet wurden Jana Raschkowski und Frank Przibylla, die stellvertretend für das Engagement vieler Ehrenamtlicher in den Aidshilfen stehen. Die Laudationen hielten die Kölner Bürgermeisterin Maria Helmis-Arend sowie der Landtagsabgeordnete Arndt Klocke.
